Von Gond, dem Gott
Vorwort
Ära des Hundes, 299 AE, Gute Ernte, Bluttag
Wir schreiben die letzten Tage in der Ära des Hundes, doch hier im abgelegenen Lyagg merkt man davon nichts. Die Winde des Wandels ersticken im Dickicht der turmhohen Bäume des Kontinents Vochstim, wie einige Völker ihn heute nennen. Es ist völlig gleich wo ich die ersten Tage der Ära der Katze willkommen heiße, da das Unvermeidbare ohnehin die ganze Schraubenwelt erneuern wird.
Ich beschloss in meine Heimat zurückzukehren.
Ich habe die weite Reise über die Große Straße von Kitkirri auf mich genommen und werde mich wohl auch noch im übernächsten Zeitalter daran erinnern, wie der Gott des Rechts und Urteils, Batull, nur langsam den Kopf schüttelte, als ich mich auf den Weg machte. Ich verließ meinen Palast hoch oben in der Sphäre der Götter, da ich bei meinen Nachfahren sein möchte während die Hunde in der Welt wüten. Hunde töten. So heißt es.
Doch das sind keine leibhaftigen Hunde, nein, es ist ein Euphemismus. Früher trugen sie noch viele andere Namen. Ich erinnere mich, dass man sie in der Ära dea Falls Missgeburten nannte. Das werde ich wohl nie vergessen: die achte Missgeburt war ein ganz besonders mächtiges Scheusal.
Ein Hund... ist ein Geschöpf des Todes, ein Werkzeug des Untergangs. Ich habe einen dieser Hunde gesehen. Er war eine riesige Schraube wie aus Bismut, der nur mit Mühe seinen kolossalen Körper über den Himmel zog. Er bemerkte mich, blies aber nicht zum Kampf. Ich war nicht sein Ziel. Sein Ziel ist das Opferblut. Ein grünäugiger und linkshändiger Mensch, der in die Schraubenwelt hinab gesogen wurde.
Ich kam nach hier, um nachzudenken.
Nun mag ich ein Gott sein, doch einst kroch ich zwischen dem Gestrüpp des Nebenwaldlandes, als bloßes Afrotherium. Vor Millionen von Jahren wurde ich hier geboren. Nachdem ich ein Gott geworden war, war ich viele viele Jahre fort, jedoch band mich der Anker der Heimat an die Urwälder dieses abgelegenen Landes.
Bei meiner Rückkehr war die Welt anders. Vochstim, wo ich geboren wurde, ist heute größer. Im Osten ist ein Kontinent kollidiert, was das größte Gebirge Lyaggs schuf und einen Berg namens den Vater der Berge gebar, der mit seinen 12.112 Metern Schatten wirft wie die Nacht selbst. Meine Nachfahren beherrschen dieses Land, vom mächtigen Elefanten zum zähen Tenrek. Doch nun haben sich neue Spieler eingefunden: die Menschen. Die Entstehung dieser intelligenten Wesen überraschte mich sehr, sie sind sogar von einer einmaligen Art wie sie nur auf Lyagg vorkommt! Zu meiner Zeit hätte das niemand für möglich gehalten. Die Zeit meiner Nachfahren scheint erst noch zu kommen...
Anscheinend leben auf Vochstim zwei der großen Völker: die Wasokisen und die Feara. Die Wasokisen sind ein ursprünglicherer Typ von Mensch, doch diese Feara... sind beeindruckend. Wenn ich schon auf den Untergang der Hunde warten muss, dann wäre es doch ein Spaß so viel ich kann über die Feara in Erfahrung zu bringen. Ich spüre eine starke Macht in ihrem Fleisch und ich sehe große Dinge auf sie zukommen. Sie werden Imperien errichten aus Gold und Elfenbein, in ehrwürdigen Demokratien für die Rechte des Einzelnen buhlen und den Zorn des Krieges kennenlernen. Jedoch nutzen sie im Augenblick noch Werkzeuge aus Stein und Knochen, kennen kaum den Ackerbau und jagen die vielen Tiere des Waldes. Diese Kultur des Neolithikums weiß ihre Götterkulte zu pflegen und woher sie es auch wissen: in einer fernen Ära wird sich ihre Frommheit auszahlen. Die Schnipsel der Zukunft, die ich vom mächtigen Zü empfangen habe, können im Jetzt noch nicht erahnt werden.
Ich sehe die große Hauptstadt von Hamosas, Kern des Imperiums der Thubul!
Einen Rat aus zehn Gleichen.
Einen Feara, der singt wie die Nachtigall.
Den Ausbruch eines Vulkans und den Untergang.
Die Wiedergeburt im verschneiten Dschungel.
Hach, ist das aufregend!
Ich habe mich dazu entschieden sie zu beobachten und eine Enzyklopädie dieses Volkes zu verfassen. Die ganze Schraubenwelt soll wissen, welche fremdartigen Wesen das in den Köpfen der Masse verschleierte Lyagg bevölkern. Von Kupferstadt bis Bahristaai Kodoija, vom Ewipischen Kamm bis zum Glaswald. Ich erzähle euch von der Epoche des Homo Canus!
Das Volk der Feara
Ära des Hundes, 299 AE, Gute Ernte, Schreitag
Die Feara gehören ebenso wie die Wasokisen zu den Großen Völkern. Die Feara unterscheiden sich phänotypisch ziemlich auffällig von den benachbarten Wasokisen. Sie besitzen schmale Gesichter, ihre Haare sind in hellen Blondtönen gefärbt und ihre Augen sind grün und klar. Nur unter den Feara existiert eine Mutation, die dafür sorgt, dass ihre natürliche Haarfarbe grün wird. Diese grünhaarigen Feara machen allerdings nur ca. 2% der Bevölkerung aus, das Gen ist wohl rezessiv. Feara besitzen weiterhin eine sehr stark reduzierte Körperbehaarung. Die männlichen Feara haben keine Bärte, weswegen die Wasokisen, deren Bärte dicht und drahtig sind, sie "Kindermenschen" nennen.
Anmerkungen des Forschers Braune Pfote, aus dem Volk der Baru – diese sind nach der Veröffentlichung erstellt worden:
8. der Bluternte, Phiʒ
Feara gehören wie die Wasokisen zu der Spezies Homo Canus, aber die Trennung erfolgte bereits sehr früh und es bestehen erhebliche Unterschiede im Genotyp. Die Wasokisen sind anscheinend die älteste noch lebende Population der Spezies und auch ihr Genpool ist dementsprechend am variabelsten. Es ist anzunehmen, dass die letzte gemeinsame Population der beiden Völker mehr als 100.000 Jahre zurückliegt, wahrscheinlich wesentlich mehr. Dies ist vor allem an grundlegenden Genen erkennbar, z.B. GO4G ist bei den Feara mehrfach mutiert zu G07M, während die Wasokisen die ursprüngliche Version besitzen. Man nimmt an, dass dieses Gen einen gewissen Schutz gegen Arten von Tropenfieber bietet.
Namensgebend ist dem Homo Canus seine graue Hautfärbung, die durch das Pigment Cyanomelanin verursacht wird. Im Gegensatz zum verwandten Homo Sapiens besitzen Homini Cani kein Eumelanin, sondern nur Cyanomelanin und Phäomelanin 2.
Die errechnete Durchschnittsgröße beträgt 1,77 Meter und der Körpertyp ist schlank und behände. Unter den Feara existieren die Blutgruppen 1, 2 und 4, dazu existiert noch ein ergänzendes Blutgruppensystem, genannt Achl-Yd-Faktor, der entweder als q oder p realisiert ist.
Die Verteilung sieht wie folgt aus (ungefähre Datenerhebung, weitere Untersuchungen sind nötig):
1q: 30%
1p: 10%
2q: 15%
2p: 5%
4q: 25%
4p: 15%
Der Testosteronlevel männlicher Feara ist nicht beeinträchtigt. Der fehlende Bartwuchs ist einem defekten Gen geschuldet, mit dem Namen KT8U4. Vergleiche mit den Daias, die eine Immunität gegen Kuru entwickelt haben, deuten auf einen globalen genetischen Flaschenhals hin, der die Ausbreitung gewisser Gene begünstigte. Aus meinen Beobachtungen anhand von Zellen von Homo Canus und Homo Sapiens ist zu schlussfolgern, dass zwar Hybride der zwei Arten theoretisch gezeugt werden könnten, doch diese wären meistens tot, selten lebensfähig und immer steril. Ihre Fitness bewegt sich auf einem sehr geringen Niveau. Eine echte Hybridart, Homo kl. Argenteus, kann nicht entstehen.
Feara sind wie alle Homini Cani von Natur aus Allesfresser. Ich schätze, dass sie ca. 10 – 15% fleischliche Nahrung verspeisen, ansonsten besteht der Rest aus pflanzlicher Nahrung und Lebewesen anderer Formen wie Pilze und einige Algen- und Tangarten. Sie leben als Jäger und Sammler und ziehen halbnomadisch über das Land. Anscheinend besiedeln sie eine Region nur ein paar Jahre und ziehen dann weiter. Männer sind für gewöhnlich Jäger und Fischer, während Frauen sich um die pflanzliche Kost kümmern. Ich habe aber auch schon männliche Pflücker und weibliche Speere gesehen. Weiterhin haben die Feara als frühe Kultur des Neolithikums Ansätze der Landwirtschaft entwickelt. Als einzige echte domestizierte Pflanze ist die Knollenfrucht zu nennen. Sie ist eine schnellwachsende Pflanze, die nahrhafte Knollen unter der Erde entwickelt, die die Feara gebraten, geröstet oder gekocht verspeisen. Die Knollenfrucht wurde ursprünglich von den Feara kultiviert – die Wasokisen beginnen sie von ihnen zu übernehmen. Die wasokisischen Sprachen haben kein Wort für diesen Strauch, sodass sie das native Fearawort dafür entlehnt haben.
Die Feara haben allerdings mehrere Arten (halb-)domestiziert. Die wichtigsten Nutztiere sind der vochstimische Hund (in Wahrheit ein Angehöriger der afrotherischen Ptolemaiida), der als Gefährte und Jäger unter ihnen lebt, aber auch als Nahrung dient, die zwei Hühnerarten und das Stampftier, aus der Ordnung Embrithopoda, welches die Feara mit Fleisch und Wolle versorgt. Das Haushuhn haben die Feara von den Wasokisen übernommen, das Lilahuhn haben allerdings sie domestiziert. Auch den Begriff für dieses Tier haben die Wasokisen entlehnt. Hühner werden vor allem für ihre Eier gehalten, aber auch für ihr Fleisch und ihre Federn. Insbesondere das Lilahuhn bietet Federn für Schmuck und zum Pfeilbau. Der Katzentenrek, ein weiterer Afrotherier, entwickelte sich konvergent zu einer Katze und nähert sich den fearischen Siedlern an, um die in ihrer Nähe abfallgrasenden Rüsselspringer zu erbeuten. Der Katzentenrek gilt als neugierig und zutraulich und die Feara "knuddeln" gern mit ihnen, wenn sie es zulassen. Rüsselspringer sind jedoch auch mehr als nur eine Plage, manchmal freunden sich Feara mit ihnen an und füttern sie mit Raupen und anderem Gewürm – im Allgemeinen haben sie einen guten Ruf, da sie auch giftige Spinnen und Skorpione vertilgen. Die Feara haben außerdem eine besondere Vorliebe für die vielen Papageienarten der Region. Sie gelten als Boten der Götter und werden als Statussymbole gehalten, insbesondere ist der große Schopfpapagei zu nennen. Seine Größe und vielfarbige Federn werden als Zeichen der Schöpfung verstanden.
Die Feara kennen Kleidung nur als Statussymbol und im Kult. Kleidung wird nur zu rituellen Anlässen genäht. Ansonsten laufen sie nackt sowohl im Dschungel als auch im Dorf. Auf ihrer Haut finden sich bei allen Feara, bis auf eine kleine Minderheit, Tätowierungen. Welche Bedeutung das alles hat, ist mir noch nicht bekannt, ich werde die Sache aber erforschen. Einige Tattoos stehen ganz klar für gewisse Götter der Feara und sollen wohl den Träger mit Attributen des Gottes ausstatten.
Auf ihre voluminösen Haare sind die Feara sehr stolz und waschen sich häufig in Flüssen, um ein gepflegtes Aussehen zu wahren. Die Haare tragen sie offen, aber auch häufig in einfachen Zöpfen gebunden. Beide Geschlechter tragen die Haare lang.
Die Feara sprechen eine eigene Sprache, die sich sehr stark von den Sprachen der Wasokisen unterscheidet. Sie gehören wohl separaten Sprachfamilien an, auch diesen Aspekt werde ich mir gesondert ansehen. Der Klang des Fearischen ist sehr sauber und fein, während zumindest einige wasokisische Sprachen ursprünglich und laut klingen.
Ihre Hütten sind um eine zentrale Feuerstelle erbaut. Die Rundhäuser bestehen aus Holz oder seltener Knochen von großen Tieren wie Elefanten, die manchmal mit Stampftierdung oder Lehm isoliert wurden. Die Dächer bestehen entweder auch aus dem Material oder aber aus Schilf, Blättern des Zirkel- oder Goldholzbaums oder Stroh. Das Haus des Medizinmanns wird gelb gefärbt, ich denke aber nicht, dass sie damit den ersten Helden Champion Regnak ehren wollen. In einem üblichen Fearadorf leben zehn bis dreißig Individuen. Die Feara haben mehrere Formen der Fortpflanzung - einige leben polygam, andere monogam. Die Entscheidung obliegt jedem Feara selbst. Homosexualität ist akzeptiert und wird nicht als anders wahrgenommen.
Zu guter Letzt möchte ich kurz auf die Wasokisen eingehen, ihre menschlichen Nachbarn. Wasokisen haben ebenso graue Haut, jedoch unterscheiden sich die Töne sehr stark voneinander: die Ek͡ʟ̝̊uuy, die auf der Insel der Steingesichter leben, sind dunkel wie die Nacht, wogegen die Vgö aus dem tiefsten Süden der Halbinsel Da hir-a hell und abstrahlend sind. Ihre Gesichter sind breiter, die Haare blau und die Augen gelb. Das wasokisische Geschlecht war schon alt, als die Menschheit jung war, sodass hunderte oder gar tausende Sprachen aus etlichen Zweigen existieren. Urwasokisisch, die gemeinsame Ursprache aller wasokisischen Sprachen, ist in menschlicher Zeit gemessen so alt, dass eine Rekonstruktion für jeden menschlichen Wissenschaftler unmöglich wäre. Dennoch ist unumstritten, dass alle Wasokisen eine genetische Abstammungsgemeinschaft bilden.
Im Nebelwaldland leben drei wasokisische Völker. Zu den Hikkiern haben die Feara eher postive Beziehungen und führen reichlich Tauschhandel. Die Hikkier glauben, dass sie aus den Steinen der Berge gehauen wurden. Zu den Ghleliern ist die Beziehung eher zweckmäßig, es wird neutral gehandelt. Die Ghlelier sind ein stolzes Volk, das Werte wie Ehre und zahlreiche Kampftugenden schätzt. Und zum Schluss sind die Beziehungen zu den Federmenschen von negativer Natur und manchmal auch kriegerisch. Dies beruht wahrscheinlich auf Missverständnissen, da die Kultur der Federmenschen sehr ungewöhnlich ist – zum Beispiel gelten Geschenke als beleidigend.
Das sind meine ersten oberflächlichen Beobachtungen dieser Kultur. In den nächsten Tagen plane ich, vor ihnen zu erscheinen.
Lyagg hat eine der höchsten Götterdichten der Schraubenwelt. Während die meisten Inseln nicht einmal ein Pantheon vorweisen können, leben in Lyagg mehrere. Ich bin noch keinem Gott dieser Ebene begegnet, doch mich würde interessieren, welche Götter sich seit meiner Abreise hier versammelt haben. Schließlich bin ich auch ein Gott Lyaggs und sogar der älteste hier - soweit ich weiß.
Kapitel 2: ???
(Der Eintrag ist in einer seltsamen Sprache verfasst. Selbst das Datum ist in einer konischen Schrift verfasst.)
Die Säugetiere des Nebelwaldlandes
Ära des Hundes, 299 AE, Ahnengesang, Moostag
Vochstim ist fast ausschließlich von Säugetieren der Gruppe Afrotheria bevölkert. Die einzige Gruppe der Euarchontoglires sind die Affen, die in der Vergangenheit über das Meer gekommen sind. Im Norden gibt es einige Nebengelenktiere, die erst vor kurzer Zeit über den Isthmus von Qalfari aus Fibahpa gekommen sind. Ebenso sind erste Afrotherias nach Fibahpa gelangt, wie die Gruppe der Elefanten und der Rüsselspringer. Es erfüllt mich mit außerordentlichem Stolz, diese Wesen hervorgebracht zu haben.
Es gibt auf Vochstim nur eine handvoll Nebengelenktiere, eine Gürteltierart und zwei semiaquatische Faultierarten, die entlang der nördlichen Küste Seetang abgrasen. Ansonsten existiert noch ein uralter Säugetierzweig der Yinotheria auf Vochstim. Sie entstammen dem östlichen Teil des Kontinents, wo sie einst in allen Formen und Farben vorkamen. Es gibt nicht mehr so viele Arten, aber bekannte Vertreter wie der Muschelknacker in den Höhlen des Mondglanzgebirges und der Guffel, der kuschelig ist und durch die Gipfel der Bäume springt.
Die Afrotheria belegen beinahe jede Nische hier auf dem Kontinent. Die Embrithopoda und Rüsseltiere stellen die Megafauna. Die nashornartigen Arsinoitheriidae sind nicht die einzigen Embrithopoda - sie haben eine sehr breite Radiation erlebt und es gibt pferdeartige, giraffenartige, schweineartige (mit dem bekanntesten Vertreter, dem Stampftier) und weitere. Die intelligenten Rüsseltiere sind überall auf Vochstim. Im Nebelwaldland ist der Waldelefant (Loxodonta cyclotis) die häufigste Art, in der tropischen Waldsteppe lebt auch der titanische Steppenelefant, der in manchen Fällen die maximalen Ausmaße für für Landsäugetiere erreichen kann. Ansonsten gibt es auf Vochstim dutzende bis hunderte Rüsseltierarten - im Süden leben viele Mammutarten, Mastodone gibt es überall (im Nebelwalsland zum Beispiel den behaarten Stoßer) und Deinotheria sind vor allem östlich des Geihors vertreten, den die Feara den Vater aller Berge nennen.
Es gibt keine Raubtiere auf Vochstim und die Vögel, die diese Nische in Fibahpa besetzen, haben es nicht nach hier geschafft. Stattdessen sind die hypercanivoren Spitzenprädatoren die Ptolemaiida. Sie weisen eine einzigartige Konvergenz zu den Raubtieren auf. Es gibt Ausdauerjäger wie den Vorfahren des vochstimischen Hunds, Tiere die Bären ähneln wie der Wär und Schleichjäger, die schon beinahe die wahren Könige unter den Fleischfressern sind. Insbesondere der Pantherkrieger, dessen Brüllen die Nacht erfüllt, und der Schlitzer, dessen lange Säbelzähne wie Schwerter sind, sind bekannte Vertreter dieser Gruppe im Nebelwaldland. Es gibt jedoch auch einen Ptolemaiidus, der eine sehr ungewöhnliche Jagdstrategie besitzt: der Hämmerer. Der Hämmerer hat einen stark verhornten und massiven Kopf. Er ist nicht sonderlich ausdauernd, doch kann er sehr schnell beschleunigen. Er überrascht seine Beute, rennt sie mit seinem schweren Schädel um und bricht ihr alle Knochen. Dann frisst er sein Opfer auf.
Überall um die Küsten und in den großen Flüssen Vochstims und Fibahpas leben Seekühe. Da es auf Lyagg keine Wale gibt (sie starben etwa vor zehn Millionen Jahren in der Trocha-Warmzeit aus ), gelang es einer Gruppe von Seekühen die Nische der Wale einzunehmen: die Seeflieger. Anscheinend entwickelten sich die ersten Seeflieger schon vor 30 Millionen aus einer frühen Gruppe der Seekühe, doch die Konkurrenz mit den Walen sorgte auf beiden Seiten für Schwierigkeiten in der Entwicklung. Die Seeflieger sind an das Leben im offenen Meer angepasst und fliegen majestätisch durch das türkise Meer. Sie ernähren sich von Plankton, welches sie mit ihrem umgebauten Maul aufnehmen. Die Seeflieger werden mittelgroß bis riesig, während die Seekühe, obgleich nicht klein, ein Leben an der Küste führen. Die größte Seekuhart, die im Süden im kalten Ozean Titanentang verzehrt, wird bis zu zehn Tonnen schwer. die größte Seefliegerart dagegen dagegen kann die Größe eines Blauwals erreichen und gäbe es nicht die Kaiserseeschlange, könnte sie niemand bezwingen.
Ganz bemerkenswert ist das basale Schnapptier, ein Afrotheria aus einer langen Ahnenreihe, das noch vor den Zweigen der Paenungulata und Afroinsectophilia gelagert ist. Schnapptiere sind die letzte Gattung eines eher konfusen Zweigs der Afrotheria. Kontroverse Spezies wie Xenooho und Bilibilidu (häufig in der Gruppe Urafrotheria eingruppiert) werden hier diskutiert. Schnapptiere haben eine ungewöhnliche Strategie: ihr Kiefer ist wie eine Blume gestaltet und soll Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten anlocken. Nähert sich die Beute der Zunge, schnappt es blitzartig zu. Daher der Name.
Sehr ungewöhnlich sind auch die Stachelplattentiere. Fossilien erzählen uns, dass ihre stachligen Platten ursprünglich verdickte Haare waren. Jedoch besitzen die Stachelplattentiere auch Stacheln aus Knochenmaterial, die sich über ihren Rücken ziehen. Vermutet wird, dass daran eine Mutation der Hoxgene schuld ist, die den Torso verdoppelt und ihn rückwärts ausbildet, aber genau weiß das keiner. Stachelplattentiere haben also Platten und Stacheln! Sie sind opputunistische Allesfresser, die aber zu zu pflanzlicher Nahrung tendieren. Sie sind erstaunlich widerstandsfähig gegen Gifte und können fast alle Pflanzen fressen. Die giftigsten Arten, wie der Hängeteufel und der Flockige Waldregen, sind jedoch dem speziell angepassten Guffel überlassen.
Die Schliefer besetzen meist die Nische von Hasenartigen, während die Rüsselspringer Nagetiernischen besetzen. Weder Hasen noch Mäuse hat es nach Vochstim getrieben, sodass die Anzahl ihrer Arten die hundert weit übersteigt. Die Artenvielfalt ist besonders hoch, weil vor der Küste des Nebelwaldlands die Straße von θahidaa beginnt, die aus hunderten Inseln besteht. Zum Beispiel lebt auf einer Insel ein Schliefer von der Größe eines Ebers oder auf einer anderen gibt es gleitende Rüsselspringer. Fernab der Küste auf der Insel Riesensenecie leben die sogenannten Hüpfer, welche aus einer Gruppe von Rüsselspringern hervorgegangen sind und wie Kängurus und Leptictidium zweibeinig sind. Auf einigen Inseln leben sogar fleischfressende Affen!
Erdferkel sind weit verbreitet und fressen die Ameisen und Termitenarten Vochstims. Besonders hervorzuheben ist das Riesenferkel, welches die Größe eines Nashorns erreichen kann und die großen Türme der Termitenart Macrotermes fallouti aufbricht und sie verspeist. Den Erdbunker der Ameisenart Formica vaultteca vermag es auch zu knacken.
Die Tenrekartigen mag ich jedoch ganz besonders. Während Goldmulle ganz klar Gräber sind, hat sich die Ausbreitung der tenrekatrtigen soweit ausgedehnt wie es Himmelsrichtungen gibt. Otterspitzmäuse sind aquatisch, andere leben wie Igel, wieder andere sind zu Kleintierfressern wie der Katzentenrek geworden und wieder andere verbringen ihr leben als Giganten auf den inseln Vochstims.
In der Vergangenheit lebten auf Vochstim auch Metatheria, dies ist aber mindestens 40 Millionen Jahre her. Sie konnten sich hier einfach nicht behaupten. Früher lebten hier auch viele Gondwanatheria, doch ihre Zahl hat sich stark verringert. Man findet nur noch welche in sehr abgelegenen Regionen wie Inseln, zum Beispiel Ogarha. Dort sind sie aber bemerkenswert. Auf Ogarha existiert ein gutes Beispiel für die Evolution in Bewegung: eine einzige Urart hat so viele Nischen wie möglich besetzt. Körnerfresser, Grasfresser von beachtlicher Größe, Aasfresser, Klettertiere et cetera. Ein wahres paradies für Forscher. In den nächsten Tagen werde ich meine Beobachtungen fortsetzen. Vielleicht finde ich in einer abgelegenen Region des Kontinents etwas neues und einzigartiges.
Vögel
Reptilien und Lurche
Andere Natur
Die Biologie der Feara
Brauchtum
Werkzeuge
Waffen
Küche
Religion
Das Übernatürliche
Variables
Die Wege der Macht